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Festakt: Stiftung feiert 50 Jahre Auslandsarbeit

Veröffentlicht am 28. Juni 2013
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Mit einem Festakt in Berlin hat die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit das 50. Jubiläum des Beginns ihrer Auslandsarbeit gefeiert. „Die politischen Stiftungen sind ein Juwel der internationalen Zusammenarbeit“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in seiner Festrede. „Konstant sind die Werte, denen sich die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verpflichtet fühlt: Freiheit, Demokratie, Rechtstaatlichkeit und der Schutz der Menschenrechte sind das Fundament der Arbeit der Stiftung. Gerade in unserer Welt des Wandels, die immer unübersichtlicher wird, ist es dieser klare Wertekompass, der Orientierung gibt“, sagte Außenminister Westerwelle im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums.

Unter 600 geladenen Gästen waren zahlreiche Botschafter, Bundestagsabgeordnete und Politiker aus Europa, Asien und Afrika. „Es gibt keine Weltgegend, in der Menschen keine Freiheit ersehnen. Freiheit ist ansteckend“, betonte Guido Westerwelle. Der Festakt stand unter dem Titel „Wandel verstehen – Rechte schützen – Zukunft gestalten“.

 

Es geht um Freiheit, Demokratie und um Menschenrechte

Die Stiftung hatte 1963 in Tunesien ihr erstes Auslandsbüro eröffnet und dort Journalisten ausgebildet. Heute arbeitet die Stiftung in 70 Staaten für Demokratie, Menschenrechte und wirtschaftliche Freiheit. Wolfgang Gerhardt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, erinnerte an den Beginn der Auslandsarbeit: „Die internationale Arbeit wäre ohne Walter Scheel nicht möglich gewesen. Er hat 1962 als erster Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit die politischen Stiftungen eingebunden. Walter Scheel hatte erkannt, dass die Entwicklungsarbeit nur erfolgreich sein würde, wenn die politischen Strukturen der Entwicklungsländer stabil und transparent sind und diese ein Mindestmaß an Demokratie und Schutz der Menschenrechte garantieren und durch marktwirtschaftliche Orientierung Prosperität gewinnen.“

Moderatorin Conny Czymoch leitete eine Gesprächsrunde mit Partnern der Stiftung aus Südafrika, Malaysia und Russland. Daran nahm auch Hans van Baalen teil, der Präsident von Liberal International (LI), dem weltweiten Netzwerk liberaler Parteien. „Ohne die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit läuft nichts“, sagte van Baalen, „allerdings sagt die Stiftung uns nicht, wie es gehen muss. Sie macht Angebote, bietet Möglichkeiten – wir schätzen die Unterstützung sehr.“

Im Gespräch mit den Auslandspartnern der Stiftung wurde deutlich, wie sehr das langfristige Engagement der Stiftung geschätzt wird. „Gerade erleben wir die schlimmste Zeit für die Zivilgesellschaft“, sagte Irina Scherbakowa aus Russland, wo Nicht-Regierungsorganisationen, die internationale Partner haben und politisch arbeiten, sich als „Agenten“ registrieren sollten. „Keine NGO hat sich als Agent registrieren lassen“, sagte Scherbakowa, die in Moskau Bildungsprogramme bei Memorial leitet, der Internationalen Gesellschaft für historische Aufklärung und Menschenrechte. „Es geht um Freiheit, Demokratie und um Menschenrechte. Dafür steht unsere Zusammenarbeit mit der Stiftung“, die inzwischen seit mehr als 20 Jahren andauert.

 

Mittel für die Stiftungen erhöht

Tricia Yeoh aus Malaysia sprach über ihre Vision eines Landes, in dem Parteien sich nicht mehr nur für eine ethnische Gruppe einsetzten sondern für alle Bürger. „Die Parteien unserer Regierungskoalition sind alle Klientel-Parteien ethnischer Gruppen. Wir, die parteipolitische und zivilgesellschaftliche Opposition, definieren uns nicht durch unsere Ethnizität sondern durch die Werte, die uns verbinden: Freiheit und Toleranz.“ Tricia Yeoh arbeitet für den Think Tank der multiethnischen, multireligiösen Partei von Malaysias Oppositionsführer Anwar Ibrahim, einem langjährigen Partner der Stiftung.

Ein weiterer Gast beim Jubiläumsfestakt in Berlin war der Südafrikaner Mmusi Maimane. „Heute, 20 Jahre nach Ende der Apartheid, wollen wir mehr als Befreiung von Unterdrückung“, sagte der stellvertretender Vorsitzender und Sprecher der liberalen Oppositionspartei Democratic Alliance. „Wir brauchen eine neue Generation von Politikern, die nach vorne schauen. Wir brauchen Bildung und Infrastruktur. Wir wollen eine Gesellschaft, die global verbundenen ist.“ Mmusi Maimane, der an Stiftungs-Seminaren in Deutschland teilnahm, gehört zur Generation von neuen, jungen Politikern in Südafrika.

Nach der Gesprächsrunde mit Partnern der Stiftung sprach Dirk Niebel (FDP), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, mit Moderatorin Conny Czymoch. Niebels Ministerium, das BMZ, ist mit Abstand der größte Zuwendungsgeber der Stiftung. „Wir wollen in Entwicklungs- und Schwellenländern Zivilgesellschaften stärken. Deutschlands politische Stiftungen sind in vielen Staaten bestens vernetzt, sie haben andere Kanäle als Regierungen und sind tiefer in Gesellschaften verankert. Auch deshalb haben wir die Mittel für die Stiftungen erhöht. Der Zuwachs war ein Erfolg dieser Legislaturperiode“, sagte Dirk Niebel.

Das Schlusswort hielt Ludwig Theodor Heuss, der stellvertretende Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, der auch auf die nächsten 50 Jahre Auslandsarbeit blickte: „Freiheit ist eine sensible Pflanze, die ohne ständige Pflege rasch verdorren kann. Freiheit ist kein unumstößlicher Zustand, kein stabiles Gleichgewicht. Nein, um Freiheit muss auch heute, auch in Zukunft gerungen werden.“

 

Moritz Kleine-Brockhoff


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